Filetknüpfen: was ist das?

Filetknüpfen, Filochieren, Filieren, Netzen, Netzknüpfen

Diese schöne alte Handarbeit hat viele Namen, ist aber nicht zu verwechseln mit dem Filethäkeln.

Geschichte, Herkunft, Verwendung:

Woher stammt diese Handarbeit?

Filetknüpfen ist eine der ältesten Handarbeiten Sie lässt sich im mitteleuropäischen Raum bereits in der Jungsteinzeit (4300-2500 v. Chr) nachweisen, beispielsweise bei den Pfahlbaufunden vom Bodensee. Zu dieser Zeit wurden hauptsächlich Fischer- und Transportnetze hergestellt. Daher kommt diese Handarbeit ursprünglich aus Regionen, die vom Fischfang lebten. Es ist auch die Technik, mit der man im Mittelalter Haarnetze herstellte. 

Man vermutet, dass die Fischersfrauen diese Handarbeit weiterentwickelt haben, um Schmuckgegenstände herzustellen.

Die häufigsten Anwendungen in der heutigen Zeit:

  • Schultertücher (Fichu) und Handschuhe  bei Trachten
  • Decken und Deckchen als Grund zum besticken
  • Vorhänge (meistens bestickt)
  • Einkaufs- und Ballnetze (heute meist maschinell hergestellt)
  • Fischer- und Sicherungsnetze (heute meist maschinell hergestellt)

In welchen Regionen ist diese Handarbeitstechnik noch am ehesten bekannt?

  • Graubünden: Vorhänge gestickt
  • Deutschland und Osteuropa: Decken und Deckchen, Vorhänge.

In folgenden Regionen der Schweiz wird filochiertes Trachtenzubehör getragen:

  • Trachten-Fichu und Handschuhe: Luzern, Bern, St. Gallen, Glarus, Aargau, Solothurn
  • Trachten-Fichu: Zürich, Appenzell, Schaffhausen, Basel-Land
  • Trachten-Handschuhe oder Armstulpen: Schwyz, Zug, Freiburg/Fribourg, Genf, Wallis, Graubünden, Nidwalden

All diese Arbeiten werden aus feinem Baumwoll- oder Seidengarn gefertigt.

Das Trachtenzubehör ist so fein gearbeitet, das sogar manch eine Trägerin meint ,es sei geklöppelt.

Meine Produkte:

Ich habe mich aufs knüpfen mit Wolle oder dickerem Garn spezialisiert, ab und zu verwende ich auch Seide. Am liebsten produziere ich Loops. Vorzugsweise mit Garn, Wolle im Farbverlauf, ab und zu gibt's auch einen in uni.....

Mein Zeitaufwand und Preise:

Hier möchte ich den Zeitaufwand und die Preiskalkulation für meine Loop's angeben:

Keinen meiner Loops entstand unter 12 h reiner Arbeitszeit! Am längsten arbeitete ich über 48h an einem Loop.

Die Preise errechne ich aus Material-Preis und Knopfzahl. Günstiges Material oder geringe Knopfzahl günstigerer Preis, grössere Knopfzahl  oder teureres Material ergibt halt mal einen höheren Preis.

So ergibt sich, meiner Meinung nach, einen sehr fairen und immer noch zahlbaren Verkaufspreis, für ein Produkt aus Schweizer Handarbeit!

 

Für alle die sich intensiver mit Filetknüpfen Beschäftigen möchten.

Hier den Beschrieb und wo man es erlernen könnte:

Beschrieb Grundtechnik Knopf:

Bevor man überhaupt beginnen kann, muss man das Garn, ähnlich wie bei einem Weberschiffchen, auf die Nadel aufziehen. Zu beachten ist, dass nicht zu viel Garn aufgenommen wird, da man sonst die Nadel nur schwer durch die einzelnen Schlingen (Schlingengrösse = 2x Stäbchenbreite oder Nadeldurchmesser) ziehen kann.

Es wird eine Hilfsschlinge (muss nicht gleicher Faden sein, wird wieder entfernt) benötigt. Beim Rundfilet arbeitet man mit einer Schlaufe mit gleichem Arbeitsfaden, die später festgezogen wird (bleibt in der Arbeit).

Die Hilfsschlinge wird zur Fixierung an einem Kissen (schweres Nähkissen) festgesteckt. An diese Hilfsschlinge wird der Arbeitsfaden geknotet. 

Abstands-Stäbchen oder -Nadel liegt parallel zum Zeigefinger in der linken Hand und wird mit dem Daumen gehalten.

Zur Bildung des Knotens wird der Faden von vorn nach hinten um Nadel/Stäbchen, Zeige-und Mittelfinger weiter auf der Handhinterseite zwischen Mittel- und Zeigefinger, hinter Nadel und vor Zeigefinger hindurch zur Schlinge gelegt und anschließend mit dem Daumen (gemeinsam mit dem Stäbchen) gehalten.

Nun wird der Faden, weiter in einer grossen Schlaufe (über der Arbeit) um die ganze Hand gelegt. Mit der Nadel zwischen den Fäden der Mittelfingerschlinge hindurch, die Schlinge der letzten Runde (in erster Runde die Hilfsschlaufe) aufnehmen und durchziehen. Die große Schlaufe wird mit dem kleinen Finger gehalten.

Jetzt wird die Daumenschlinge losgelassen und der Faden vorsichtig angezogen. Die Schlinge um Zeige- und Mittelfinger zieht sich straff. Diese Schlinge wird als nächstes losgelassen und so lange vorsichtig gezogen, bis der Knoten dicht an Stab oder Nadel liegt (mit Daumen am richtigen Ort fixieren). Nun wird noch die letzte Schlinge um den kleinen Finger gelöst und der Knoten festgezogen.

Ich weiß – es klingt kompliziert! Es ist auch eine sehr zeitintensive Handarbeit!

Ich empfehle Anfängern, einen Kurs zu besuchen (siehe unten).

Varianten:

Es gibt drei verschiede Filetknüpfarten: Rundfilet, Schräg- und Gradfilet.

Beim Rund- und Schrägfilet steht das Quadrat immer auf dem Spitz. Muster werden durch unterschiedliche dicken der Nadel/Stäbchen erzeugt, durch dazu oder zusammen knüpfen und Schlaufen legen erzielt.

Das Geradefilet, steht immer auf einer Seite, es wird für Tischdecken, Deckchen und Vorhänge als Grundlage fürs sticken verwendet. bei dieser Variante werden in einem 2. Arbeitsgang die Löcher mit Stichen ausgestickt oder ausgestopft.

Material:

Filetnadel (sie ist an beiden Enden mit einer Art offenen Öse versehen, darunter ist ein Loch zum Fixieren des Fadens)

Abstandstäbchen oder Spielstricknadeln in verschiedenen dicken oder breiten.

Sticknadel lang (nur zum sticken).

Grundausstattung-Sets gibt es von Prym (Filet-Set Art. 611750). Das Set besteht aus 3 Stäbchen 10mm, 8mm, 6mm, 2 versch. lange Nadeln und einer langen Sticknadel

Häkel- oder Perlgarn

Für  Wolle bzw. Bändeli- oder Effektgarne sind die kaufbaren Nadeln nicht zu brauchen! Können also keine Nadeln gekauft werden!

Schriftliche Anleitung, Kurse:

Grundbeschrieb des Knopfes ist auf jeder Filet-Set Packung aufgezeichnet.

Schriftliche Anleitungen findet man in folgenden Heften (alle vergriffen):

  • Filetknüpfen Lang Nr.86 (1980)
  • Filieren Meyers Handarbeitsheft Nr.30 (1954)
  • Handarbeitsheft Anna von Burda (Nr.4 April 1987) Rundfilet Lehrgang
  • Handarbeitsheft Anna von Burda (Nr.3 März 1988) Rundfilet Deckchen Anleitung
  • Handarbeitsheft Anna von Burda (Nr.3 März 1989) Filetstickerei

In folgenden Zeitschriften gibt es laut Internet auch Beschriebe:

  • Textiles Gestalten international. Zeitschrift (September 1999)
  • Handarbeit Zeitschrift DDR Verlag für die Frau, Herbst (3/1989)

Buch:

  • Illustrierte historische Handarbeitstechniken, Reprint Verlag Leipzig (ISBN 978-3-8262-0413-5), Reprint Ausgabe der Originalausgabe von 1920 (alte Schrift).
  •  Enzyklopädie der weiblichen Handarbeiten, Reprint Verlag Leipzig (ISBN 3-8262-0401-8), Reprint Ausgabe der Originalausgabe von 1893 (neue Schrift).

Auch im Internet findet man einige Anleitungen. Hefte findet man ab und zu im Brockenhaus oder Internet.

Für Anfänger empfehle ich einen Kurs zu besuchen. Ich hätte es aus den Heften nie erlernt!

Man kommt am Anfang nur sehr langsam voran. Fehler schleichen sich öfters ein. Um diese zu verhindern, ist es wichtig, dass man weiss wo sie entstehen (dies ist aber nirgends beschrieben). Die Knöpfe können nur sehr schlecht geöffnet werden! Daher viel üben bis der Knopf richtig sitzt, erst dann mit einer grossen Arbeit beginnen.

Kurse:

  • Filet-Knüpfen und Sticken, Ferienkurs im Walserhuus in Sertig bei Davos, Beatrice Herger Kurse (jährlich im Juni) diesen empfehle ich.
  • Brauchtumswoche der Schweizerischen Trachtenvereinigung in Fiesch (alle 3 Jahre im Herbst für Trachtenvereinsmitglieder) da hab ich es gelernt.
  • Ab und zu auch im Ballenbergkurse.    

Andere sind mir nicht bekannt. Vielleicht findet Ihr jemanden in eurer Umgebung, die diese Handarbeitstechnik noch kann und Euch hilft, erfahrungsgemäss eher ältere Personen, die Bezug zu Trachten haben. Vielleicht können die Kantonalen oder örtlichen Trachtenvereinigungen weiter helfen.

Wie bekannt ist Filetknüpfen heute noch? Wann wurde es noch gelernt?

Bei einer Umfrage in meinem Bekanntenkreis musste ich leider folgende Entwicklung feststellen:

  • Über 80 jährige Frauen haben diese Technik noch im Handarbeitsunterricht der Oberstufe erlernt!
  • Die zwischen 50 und 60 Jährigen Handarbeitslehrerinnen haben in ihrer Ausbildung die Grundtechnik noch praktisch oder in der Theorie erlernt.
  • Die unter 40 Jährigen Handarbeitslehrerinnen kennen diese Handarbeitstechnik nicht mehr!

Ich hoffe, dass diese alte Handarbeitstechnik durch diese (für mich erschreckende) Entwicklung nicht ganz verloren geht!

 

 beasallerlei in den Medien:

Anlässlich des Koffermarktes Wallisellen 2015 hat Televista einen Beitrag gesendet, in dem beasallerlei beim arbeiten zu sehen ist.

Schaffhauser Nachrichten 21.12. 2015
Zeitungsbericht über den 1. SN Koffermarkt Schaffhausen 20.12.2015
SN Koffermarkt 2015.pdf (7.24MB)
Schaffhauser Nachrichten 21.12. 2015
Zeitungsbericht über den 1. SN Koffermarkt Schaffhausen 20.12.2015
SN Koffermarkt 2015.pdf
(7.24MB)